Geschlechterforschung / Gender Studies
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25.4.2012

Jan G. Grünwald (Frankfurt a.M.): Mediale Bilder archaischer Männlichkeit im Black Metal

Archaische Männlichkeit ist eine Inszenierungspraxis, die Männlichkeit als das Überlegene zeigt. Sie oszilliert zwischen einem vermeintlich systemimmanenten Konsens und der Distanzierung davon. Es herrscht somit eine Gleichzeitigkeit von Teilen einer Dominanzkultur und Teilen einer Gegenkultur. Dabei entstehen inszenatorische Räume der Widerständigkeit, die neues, abseitiges Produzieren und jeder Konsensualität entgegenzustehen versuchen. Die Repräsentation dieser spezifischen Form von Männlichkeit zeigt sich in (Bewegt)Bildern des Musikgenres Black Metal. Diese Bilder eröffnen einen Raum für die Überhöhung und Idealisierung von Männlichkeit. Um archaische Männlichkeit als überlegen zu inszenieren, spielt deren räumliche Verortung eine entscheidende Rolle. Durch die Konstruktion der Räume, entsteht das männliche Subjekt und die damit verbundene geschlechtsspezifische Überhöhung. Gleichzeitig werden die Räume durch das männliche Subjekt geschlechtlich konnotiert. Durch die Aneignung von gewaltsamen Realereignissen (z.B. Morde oder Kirchenverbrennungen) offenbart sich ein immenses Provokations- und Abweichungspotential, welches sich aus der Inszenierung sowie aus der Bezugnahme aufein Ereignis speist. Durch die Rückbindung an ein Ereignis wird der Darstellungsrahmen der archaischen Männlichkeit erweitert.

Jan Grünewald ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Kunst/Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Universität Frankfurt.