Geschlechterforschung / Gender Studies
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Der, die, das Fremde. Soziologische Zugänge (Prof. Dr. Paula-Irene Villa)

Prof. Dr. Paula-Irene Villa

Seminar (Allgemeine Soziologie; Module: Soziale Unterschiede, Sozialer Wandel)
2-stündig; Mittwochs 8 – 10 Uhr; R. 209

Achtung: Beginn 27.10.2010

Über Fremde, deren Probleme und denen, die sie ‚uns’ verursachen, wird immer wieder öffentlich intensiv de-battiert. Dabei scheint es alltagsweltlich eindeutig, wer fremd und wer eben nicht fremd sei. Auch scheint konsensuell, dass es Fremde schwer haben, dass sie unter ihrer Fremdheit leiden sowie soziale Probleme verursachen und dass demnach fremd-sein ein Zustand sei, den es unbedingt zu überwinden gilt. Wie immer, sieht es bei einem soziologisch gerahmten zweiten Blick uneindeutiger und komplexer aus. Im soziologischen Diskurs gibt es eine Reihe anregender Texte und Formulierungen zum Thema Fremdheit, die wir in diesem Seminar verstehen, diskutieren und auf die Gegenwartsgesellschaft beziehen werden. Diese Texte, etwa von Georg Simmel, Alfred Schütz, Robert E. Park, Zygmunt Bauman, Rosi Braidotti, Pierre Bourdieu, weisen auf die immanent ambivalente, auch faszinierende und freiheitliche Dimension des Fremdseins hin. Für manche Intellektuelle ist Fremdheit eine kritisch-aufklärerische Grundhaltung, die man nicht erleiden muss, sondern gezielt wählen kann. So greifen z.B. feministische Positionen das Thema der Fremdheit und des Fremdseins kritisch wie produktiv auf. Auch die empirische Sozialforschung interessiert sich systematisch für die ‚Befremdung des Eigenen’ als methodologische Haltung.

Literatur: Reuter, J. (2002): Ordnungen des Anderen. Zum Problem des Eigenen in der Soziologie des Fremden. Bielefeld

Ein Reader wird zu Beginn des Semesters erstellt.