Geschlechterforschung / Gender Studies
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Seminar: Der, die, das Fremde (Prof. Villa)

Mittwoch, 08.30 – 10.00 Uhr, IfS, R. 309

Über ‚Fremde’ wird immer wieder öffentlich polemisch gestritten. Es scheint dabei, d.h. alltagsweltlich meist eindeutig, wer fremd und wer vertraut – einer ‚von uns’ – ist. Auch scheint konsensuell, dass es Fremde schwer haben, dass sie unter ihrer Fremdheit lei-den sowie soziale Probleme verursachen und dass demnach Fremd-Sein ein Krisenzu-stand sei, den es unbedingt zu überwinden gilt. Wie immer, sieht es bei einem soziolo-gisch gerahmten zweiten Blick komplexer und interessanter aus. Im soziologischen Dis-kurs gibt es eine Reihe anregender Texte und Formulierungen zum Thema Fremdheit, die wir in diesem Seminar verstehen, diskutieren und auf die Gegenwartsgesellschaft beziehen werden. Diese Texte, etwa von Georg Simmel, Alfred Schütz, Robert E. Park, Zygmunt Bauman, Rosi Braidotti, Pierre Bourdieu, weisen auf die immanent ambivalen-te, auch faszinierende Dimension des Fremdseins hin. Für manche Intellektuelle ist Fremdheit eine kritisch-aufklärerische Grundhaltung, die man nicht erleiden muss, son-dern gezielt wählen kann. So greifen z.B. feministische Positionen das Thema der Fremdheit und des Fremdseins kritisch wie produktiv auf. Auch methodologisch ist Be-fremdung (Hirschauer) eine notwendige soziologische Kompetenz, die wir im Seminar schätzen lernen werden.