Geschlechterforschung / Gender Studies
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Gendersalon 12: 23.07.2021 - 22.03.2022

 

Gender Salon am 22.03.22 um 20 Uhr
Livestream über die Glockenbachwerkstatt
Jüdische Familiengeschichten im Comic
mit Véronique Sina


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Für die Geschichte und Entwicklung des populärkulturellen Mediums Comic haben jüdische Künstler*innen eine entscheidende Rolle gespielt. Besonders deutlich wird dies mit Blick auf die alternative Underground-Szene der 1960er und 70er Jahre. Im Zuge der US-amerikanischen Women’s Liberation-Bewegung gründeten sich erste feministische Netzwerke und -kollektive, die jüdischen Künstlerinnen die Möglichkeit gaben, alternative Strukturen und Publikationsmöglichkeiten zu schaffen und in der Comiclandschaft Fuß zu fassen. Mit ihren persönlichen, unbeschönigten, alltäglichen, direkten und zugleich politischen Comics betraten die Mitglieder dieser Kollektive bis dato unbekanntes feministisches Comicneuland und ebneten dabei den Weg für kommende Generationen. Zugleich ermöglichte die Arbeit in einem feministischen Kollektiv eine spezifische Form der Solidarität und des Austauschs unter den Künstlerinnen. Am Beispiel der jüdisch-amerikanischen Künstlerinnen Aline Komisnky-Crumb, Diane Noomin und Shira Spector beleuchtet der Vortrag die enge Verbindung von Comics und Judentum aus einer queer-feministischen Perspektive. Dabei werden nicht nur ‚Familienähnlichkeiten‘ zwischen verschiedenen Generationen von jüdischen Underground- bzw. Post-Underground-Künstlerinnen sowie den von ihnen kreierten Comics verdeutlicht, sondern auch ein besonderer Fokus auf die kritische Reflexion sowie verqu(e)erende Repräsentation von (alternativen) Familienstrukturen und Fragen der Mutter- und Elternschaft gelegt.

Gender Salon am 25.01.22 um 20 Uhr
Livestream über die Glockenbachwerkstatt
Shame on you!

Über Scham und Weiblichkeitskonzeptionen mit Laura Späth


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Scham ist ein Gefühl, mit dem wir uns ungern auseinandersetzen. Wir verschieben es in die Privatsphäre und verhandeln es als intime, persönliche Emotion, obwohl gerade das Schamgefühl doch zugleich eine soziale Emotion ist, die auf gesellschaftliche Normen und soziale Kontexte angewiesen ist, sowie auf zwischenmenschliche Interaktion. Daher lohnt sich ein soziologischer und vor allem gesellschaftskritischer Blick auf das Schamgefühl, um der Sozialität dieser Emotion besser nachgehen und das eigene Schamempfinden an einigen Stellen hinterfragen zu können. Oft bestimmt ein durch die herrschenden Verhältnisse hervorgerufen und vermitteltes Schamgefühl das Verhalten und Denken von Menschen, ohne dass ein Befragen der Scham wirklich möglich wäre: Anstatt einer Auseinandersetzung mit dem Schamgefühl wird der vermeintliche "Makel" verborgen, das Selbst versteckt.
Besonders anhand geschlechtsspezifischer Schamgefühle lässt sich dies nachzeichnen, weshalb sich der Vortrag einigen vergeschlechtlichten Facetten der Scham widmet. Fokus liegt auf dem Zusammenhang von Weiblichkeitskonzeptionen und Scham, denn auch eine Emotion wie Scham entsteht und operiert im Rahmen patriarchaler Verhältnisse, ist von diesen geprägt und wirkt auf intrapsychischer Ebene als gesellschaftliches Herrschafts- und Machtinstrument innerhalb der Individuen.

Gender Salon am 23.11.21 um 20 Uhr
Konzertdramaturgie - was hat das mit Gender und Diversity zu tun? mit Mary Ellen Kitchens von Archiv Frau und Musik

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Seit ein paar Jahrzehnten bereits setzen sich solche Organisationen wie das Archiv Frau und Musik (Frankfurt/Main) und musica femina münchen auf vielfältige Art dafür ein, dass Frauen in allen Facetten des klassischen Musikbetriebs sicht- und hörbarer werden. Forschungsinstitute mit dem Schwerpunkt Frauen/Genderfragen in der Musik entstanden in den Nuller-Jahren in Bremen (Sophie-Drinker-Institut), Hamburg (Musik und Gender im Internet) und Hannover (Forschungszentrum Musik und Gender). Studien der letzten Zeit zeigen z.B. jedoch auf, dass die Entwickung in Richtung Geschlechterparität nur sehr langsam fortschreitet. In den letzten Jahren kamen in diesem Bereich weltweit viele neuen Initiativen hinzu, teilweise mit einem breiteren Fokus auf den Gender- und Diversity-Diskurs. Auch im Studienfach Muskwissenschaft zeichneten sich neue Ansätze ab.

Im Vortrag und und im Austausch mit den Anwesenden skizziert die Musikwissenschaftlerin und Dirigentin Mary Ellen Kitchens diese Entwicklungen und stellt einige der Initiativen sowie einige z.T. auch neu entstandene Ensembles, die sich dem bewußten Umgang mit der gesellschaftlichen Vielfalt widmen wollen, vor. Sie schildert wie die Befassung mit dieser Thematik zu einer gender- und diversitätsbewussten Konzertprogrammplanung (im Profi- sowie auch im Laienbereich) führen kann und gibt einen Überblick über die entsprechenden Recherche- und Beratungsmöglichkeiten, die heute für Konzertplanende existieren.

Gender Salon am 26.10.21
"Let's talk about sex - aber anders! Ein Gespräch mit 'Consent Calling' Sexshopkollektiv München"

20 Uhr in Präsenz im Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt, Blumenstraße 7. Wir freuen uns auf euch!

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Jetzt geht's um Sex. Denn sind wir mal ehrlich – Um wenige Dinge ranken sich so viele Mythen, Erwartungen und Unsicherheiten wie um die Sexualität. Sex ist zwar präsent und angedeutet, wohin man auch schaut, aber gleichzeitig extrem stigmatisiert und normativ eingequetscht. Damit soll doch bitte endlich mal jemand brechen. Deswegen lasst uns darüber reden, wie verschiedene Normen und Schubladendenken alle Geschlechter mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert. Darüber, wie sich der kapitalistische Leistungsgedanke auf unsere sexuelle Performance auswirkt – und wieso zur Hölle wir von sexueller Performance sprechen! Darüber, wie konsensuelle Sexualität eigentlich gelebt werden kann, welche Herausforderungen damit verbunden sind und was all das mit einer anderen Perspektive auf Gesellschaft im Kontext von solidarischen Aushandlungsprozessen, Kommunikation und Begegnung zu tun hat. Darüber, dass Pornos zwar wirklich schön aber auch wirklich schlimm sein können und meist nicht eins von beiden. Darüber, dass Sexualität nichts Statisches sein muss, sondern es einen Umgang mit Widersprüchen und Unsicherheiten geben kann. Darüber, was wir eigentlich wirklich wollen, wenn wir Sex haben. Darüber, was uns genau davon abhält. Denn Sex kann das Leben auf so vielen Ebenen so bereichern. Damit das aber gelingt brauchen wir mehr Räume, um freier und ohne Scham über Sex zu sprechen. Deswegen hat sich in München ein Kollektiv namens „Consent Calling" gegründet, um sich diesen und allen anderen Themen rund um Sex zu widmen. Das Kollektiv will versuchen diese Diskurse offen, ehrlich, (macht-)kritisch und mit jeder Menge Sexpositiviy anzugehen. Bald soll es ein Crowdfunding geben und wenn das erfolgreich ist, dann macht in München bald ein feministischer und queerer Sexshop auf, der aber deutlich mehr als das sein wird. Nämlich ein Raum für feministische Agitation, Austausch und Bildung, mit einer Bibliothek und einem vielfältigen Workshopangebot. Aber zuerst reden sie mit uns darüber, was Sex eigentlich mit Feminismus und einer Patriarchatskritik zu tun hat. Und darüber, warum wir das Reden über Sex normalisieren sollten.

Vorstellung des Projekts mit Miriam Wagner und Sandra Lüders @consentcalling

Gender Salon am 23.07.2021
"Warum uns Sexhormone suspekter sind, als alles, was wir damit anstellen" mit Franca Parianen

20 Uhr in Präsenz im Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt // Reservierung über die Glockenbachwerkstatt ist notwendig.

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Sexhormone sind gefährliches Gelände. Aufgeladen durch Vorurteile, Missverständnisse und lieb gewonnene Mythen. Ein falscher SChritt und man fällt in eine Vereinfachung, oder löst gleich eine Debatte aus. Wenn Hormone im Fernsehen vorkommen, machen sie Frauen verrückt. Da kann man sich schon fragen, warum wir denn überhaupt darüber reden sollen - über Hormone, Sex und Gender - statt einfach zu beschließen "Solange Männer nicht zugeben, dass sie Hormone haben, müssen Frau das auch nicht". Aber das funktioniert natürlich nicht, zum einen, weil sie wichtig sind, für Identität, Entwicklung und mentaler Gesundheit. Und, weil unsere Skepsis gegenüber Hormonen uns noch nie davon abgehalten hat, sie auf alle mögliche Arten auf den Kopf zu stellen. Zum Anderen, sind (Sex-)Hormone wichtig allein schon, weil wir sie wichtig nehmen. Ohne unterlassen diskutieren wir darüber, wie viele Geschlechter es gibt, welche Hormone sie ausmachen und welches davon uns eher befähigt ein Land zu regieren. Wenn wir diese schrille Diskussion vor Schreck weiträumig umschiffen, erreichen wir eben auch niemals bessere Antworten. Dabei gäbe es so viele. Wußten Sie zum Beispiel, dass Östrogen bei der Trauma-Verarbeitung hilft, oder der Entwicklung von männlicher Sexualität? Welchen Einfluss die Pille darauf hat? Welceh Rolle Testosteron bei der Kindererziehung spielt, oder dass Kortisol uns hilft Stress zu bekämpfen? Dass der Übergang zwischen Sexhormonen genauso fließend ist, wie der zwischen den Geschlechtern? Um all das geht es in diesem Talk. Denn Hormone können Vorurteile nicht nur bestätigen, sondern auch hervorragend damit aufräumen.